Archäologie-Skandal in RLP: Verfahren gegen Ex-Mitarbeiter zieht sich
Archäologie-Skandal in RLP: Verfahren gegen Ex-Mitarbeiter zieht sich
Hinweis: Das Beitragsbild wurde mit künstlicher Intelligenz erzeugt.
Ein Schädelfragment aus Ochtendung, das als Sensation galt, entpuppte sich als mittelalterlicher Fund. Eine DNA-Analyse widerlegte die ursprüngliche Einordnung als Neandertaler-Relikt. Dieser Fund steht im Mittelpunkt eines Skandals, der die Generaldirektion Kulturelles Erbe in Rheinland-Pfalz seit geraumer Zeit belastet.
Manipulierte Sensationsfunde an Rhein und Mosel
Ein früherer Mitarbeiter der Generaldirektion Kulturelles Erbe soll archäologische Funde in Rheinland-Pfalz bewusst manipuliert haben. Im Fokus stehen zwei angebliche Sensationsfunde: der sogenannte Neandertaler von Ochtendung und das Schlachtfeld von Riol an der Mosel. Beide Funde hätten, wären sie echt gewesen, die Geschichtswissenschaft bereichert. Beide erwiesen sich als falsch oder zumindest zweifelhaft.
Das zuständige Innenministerium in Mainz berichtete von insgesamt 20 Verdachtsfällen gegen den früheren Mitarbeiter. Darunter sollen 21 Schädel bewusst falsch eingeordnet worden sein.
DNA-Analyse widerlegt Neandertaler-These
Der sogenannte Neandertaler von Ochtendung war zunächst als altsteinzeitlicher Fund eingestuft worden. Eine spätere DNA-Analyse des Schädelfragments brachte Klarheit: Das Material stammt aus dem Mittelalter. Mit echten Neandertalern, die vor rund 40.000 Jahren ausstarben, hat der Fund nichts zu tun.
Echte Neandertaler-Funde sind wissenschaftlich klar datiert. Der namensgebende Fund aus dem Neandertal bei Düsseldorf wurde auf ein Alter von 42.000 Jahren bestimmt. Per DNA-Analyse lassen sich solche Knochenreste heute zuverlässig zuordnen und Manipulationen aufdecken.
Schlachtfeld von Riol: Vorwurf teilweise zurückgenommen
Beim zweiten großen Verdachtsfall, dem angeblichen Schlachtfeld von Riol an der Mosel, hat das Land Rheinland-Pfalz inzwischen Vorwürfe zurückgenommen. Konkrete Belege für eine Manipulation reichten offenbar nicht für alle Anklagepunkte aus. Das Verfahren ist damit nicht abgeschlossen, aber in Teilen korrigiert worden.
Verfahren zieht sich weiter hin
Das rechtliche Verfahren gegen den ehemaligen Mitarbeiter läuft noch. Ein schneller Abschluss ist nicht in Sicht. Archäologische Beweiswürdigung erfordert aufwendige Gutachten. Die Behörden in Mainz arbeiten die Vorwürfe schrittweise auf.
Die Generaldirektion Kulturelles Erbe ist in Rheinland-Pfalz für den Schutz und die Erforschung archäologischer Stätten zuständig. Sie betreut Fundstellen von der Eifel bis zum Rhein. Dass ein eigener Mitarbeiter Funde manipuliert haben soll, bezeichnen Fachleute als schwerwiegenden Vertrauensbruch.
Archäologie in Rheinland-Pfalz unter Beobachtung
Der Skandal wirft Fragen zur Kontrolle archäologischer Arbeit auf. In Rheinland-Pfalz ist die gezielte Suche nach historischen Funden grundsätzlich genehmigungspflichtig. Auch Hobbyarchäologen, die etwa bei Niedrigwasser am Rhein suchen, brauchen eine Erlaubnis. Die Regeln sollen sicherstellen, dass Funde fachgerecht dokumentiert werden.
Umso schwerer wiegt der Verdacht, dass ein ausgebildeter Fachmann systematisch falsche Angaben gemacht haben soll. Manipulierte Funde verzerren das historische Bild einer Region, binden Forschungsressourcen und schädigen das Ansehen der Wissenschaft.
Aufarbeitung dauert an
Der Archäologie-Skandal in Rheinland-Pfalz ist nicht abgeschlossen. Das Verfahren gegen den früheren Mitarbeiter der Generaldirektion Kulturelles Erbe läuft weiter. Einzelne Vorwürfe wurden zurückgenommen, andere bestehen fort. Die DNA-Analyse zum Schädel von Ochtendung hat gezeigt, dass wissenschaftliche Methoden Fälschungen aufdecken können. Die vollständige Aufklärung aller Verdachtsfälle bleibt eine Aufgabe für die zuständigen Behörden in Mainz.