Biontech schließt Marburg und Idar-Oberstein: Verkauf gescheitert
Biontech schließt Marburg und Idar-Oberstein: Verkauf gescheitert
Hinweis: Das Beitragsbild wurde mit künstlicher Intelligenz erzeugt.
Die Hoffnung auf einen Verkauf der deutschen Biontech-Werke ist endgültig zerschlagen. Die Standorte Marburg und Idar-Oberstein in Rheinland-Pfalz werden geschlossen. Auch die Werke in Tübingen und Wiesbaden, ehemals Teil von Curevac, sind betroffen. Käufer wurden trotz monatelanger Suche nicht gefunden.
Standortschließungen besiegelt
Biontech hatte bis Ende September nach potenziellen Käufern gesucht. Die Frist ist abgelaufen. Keines der Werke wird veräußert. Damit ist das endgültige Aus für Produktionskapazitäten beschlossen, an denen in der Hochphase der Corona-Pandemie Millionen mRNA-Impfstoffdosen produziert wurden.
Zwischenzeitlich hatte es Hoffnung gegeben. Der US-Pharmakonzern Moderna hatte Interesse an den deutschen Standorten signalisiert. Doch aus einem möglichen Deal wurde nichts. Die Schließungsentscheidung steht nun fest.
Besonders hart trifft es die hessische Stadt Marburg. Dort verliert die Pharmabranche insgesamt rund 1.300 Stellen durch Stellenabbau bei Biontech, CSL Behring und dem Unternehmen Innexis. Der Biontech-Rückzug ist dabei der schwerste Einzelposten.
Idar-Oberstein verliert Pharmaarbeitsplätze
Auch der rheinland-pfälzische Standort Idar-Oberstein im Landkreis Birkenfeld ist betroffen. Wie viele Stellen dort konkret wegfallen, hat Biontech bislang nicht mitgeteilt. Fest steht: Der Standort wird nicht weitergeführt.
Idar-Oberstein hatte durch Biontech einen direkten Anschluss an die mRNA-Technologie erhalten. Der Wegfall trifft eine Region, die wirtschaftlich auf stabile Industriebetriebe angewiesen ist. Alternativen für die betroffenen Beschäftigten sind derzeit nicht in Sicht.
Biontech-Führung und Gründer im Konflikt
Im Hintergrund der Unternehmenskrise schwelt ein interner Streit. Das Verhältnis zwischen Biontech-Mitgründer Uğur Şahin und der restlichen Unternehmensführung hat sich abgekühlt. Berichte sprechen von einem Eklat um das Erbe des Unternehmens.
Şahin und seine Frau Özlem Türeci haben angekündigt, Biontech spätestens Ende 2026 zu verlassen. Sie gründen ein neues Unternehmen mit Sitz in Mainz.
Geplant war offenbar ein Deal zwischen dem neuen Unternehmen von Şahin und Biontech. Dieser steht jedoch auf der Kippe. Kritiker innerhalb des Unternehmens sprechen laut Medienberichten von einer drohenden „Enteignung der eigenen Firma“.
Mainz bleibt im Fokus der Gründer
Für Mainz ist die Entscheidung von Şahin und Türeci ein Signal. Die Befürchtung, das Gründer-Duo könnte der Stadt den Rücken kehren, hat sich nicht bewahrheitet. Name und erste Details des neuen Unternehmens stehen fest, wurden aber noch nicht vollständig öffentlich gemacht.
Beide sind eng mit der Universität Mainz verbunden. Das neue Unternehmen soll in der Krebsforschung tätig sein.
Marburg setzt auf Neugründungen
Die Stadt Marburg reagiert auf den Jobverlust mit einer Strategie, die auf Unternehmensgründungen setzt, um die wirtschaftlichen Lücken zu schließen. Konkrete Maßnahmen hat die Stadtverwaltung angekündigt.
Ob Start-ups die wegfallenden Pharmaarbeitsplätze kompensieren können, ist fraglich. Hochqualifizierte Produktionsstellen lassen sich durch Gründungen nicht kurzfristig ersetzen.
Ein Einschnitt für die Pharmaregion
Rheinland-Pfalz und Hessen verlieren mit den Biontech-Schließungen Produktionskapazitäten im Bereich der mRNA-Technologie. Die betroffenen Kommunen stehen vor der Aufgabe, neue Perspektiven für ihre Arbeitsmärkte zu entwickeln. Mainz bleibt als Unternehmensstandort gesetzt: Şahin und Türeci wollen dort ihr neues Unternehmen aufbauen.