RLP: Mehr vermeidbare Todesfälle als im Nachbarland Frankreich
RLP: Mehr vermeidbare Todesfälle als im Nachbarland Frankreich
Hinweis: Das Beitragsbild wurde mit künstlicher Intelligenz erzeugt.
Rheinland-Pfalz schneidet bei vermeidbaren Todesfällen schlechter ab als seine französischen Nachbarregionen. Das zeigt eine aktuelle Studie. Die Befunde werfen Fragen über die Qualität und Erreichbarkeit der medizinischen Versorgung im Land auf.
Was die Studie zeigt
Nicht jeder Tod ist unvermeidbar. Genau das ist der Ausgangspunkt der Untersuchung. Forscher unterscheiden zwischen Todesfällen, die durch rechtzeitige und korrekte medizinische Behandlung hätten verhindert werden können, und solchen, die es nicht hätten. Rheinland-Pfalz liegt bei dieser Kennzahl über dem Niveau vergleichbarer Regionen in Frankreich.
Auch im bundesweiten Vergleich zeigen sich regionale Unterschiede. In einigen deutschen Regionen sterben mehr Menschen an vermeidbaren Ursachen als im europäischen Durchschnitt. Männer sind dabei deutlich häufiger betroffen als Frauen.
Ländlicher Raum als Problemzone
Rheinland-Pfalz ist ein Flächenland. Weite Teile des Landes sind dünn besiedelt. Das gilt für den Westerwald, die Eifel, den Hunsrück und große Teile der Pfalz. Wer dort lebt, hat oft weite Wege bis zum nächsten Arzt oder Krankenhaus.
Die Kassenärztliche Vereinigung Rheinland-Pfalz dokumentiert die Versorgungslage im Rahmen ihrer Versorgungsforschung regelmäßig. Die Daten zeigen: Die ärztliche Versorgung ist regional sehr unterschiedlich verteilt. In städtischen Zentren wie Mainz, Koblenz, Trier, Kaiserslautern und Ludwigshafen ist die Dichte an Fachärzten deutlich höher als auf dem Land.
Lange Wartezeiten auf Facharzttermine, weite Anfahrtswege und eine teils überlastete Notaufnahme sind bekannte Probleme. Sie können dazu beitragen, dass Diagnosen zu spät gestellt oder Behandlungen verzögert werden.
Behandlungsfehler und Versorgungsengpässe
Vermeidbare Todesfälle haben verschiedene Ursachen: Behandlungsfehler, falsche Diagnosen und zu späte Einleitung einer Therapie. Auch strukturelle Mängel spielen eine Rolle. Fehlt die passende Fachkraft oder ist eine Klinik zu weit entfernt, steigt das Risiko für einen schlechten Krankheitsverlauf.
Die WHO hat in einem Bericht Ende 2024 den engen Zusammenhang zwischen Versorgungsqualität und Patientensicherheit betont. Qualitätsmängel im Gesundheitssystem erhöhen demnach die Sterblichkeit messbar. Das gilt laut dem Bericht für Entwicklungsländer ebenso wie für westliche Industrienationen.
Pflegenotstand verschärft die Lage
Zur medizinischen Versorgung kommt die Pflegesituation hinzu. Ende 2023 waren in Rheinland-Pfalz rund 272.000 Menschen pflegebedürftig. Sechs Jahre zuvor waren es noch rund 110.000 weniger.
Die meisten Pflegebedürftigen werden zu Hause versorgt. Meist übernehmen das Frauen aus der Familie. Diese Pflegepersonen fehlen gleichzeitig auf dem Arbeitsmarkt. Ihnen entgehen Rentenansprüche. Professionelle Unterstützung ist oft Mangelware.
Wer nicht ausreichend gepflegt oder medizinisch begleitet wird, ist anfälliger für Komplikationen. Das erhöht das Risiko, an eigentlich behandelbaren Erkrankungen zu sterben.
Frankreich als Vergleichsmaßstab
Der Vergleich mit den französischen Nachbarregionen ist aufschlussreich. Frankreich setzt stärker auf eine dezentrale, wohnortnahe medizinische Grundversorgung. Hausärzte übernehmen dort eine stärkere Lotsenfunktion im Gesundheitssystem. Präventionsangebote sind teils breiter aufgestellt.
Das bedeutet nicht, dass das französische System keine Schwächen hat. Aber die niedrigere Rate vermeidbarer Todesfälle in den Grenzregionen ist ein konkreter Hinweis darauf, dass eine andere Organisation der Versorgung messbare Auswirkungen auf die Sterblichkeit haben kann.
Was Rheinland-Pfalz tun kann
Die Kassenärztliche Vereinigung Rheinland-Pfalz arbeitet an Lösungen. Versorgungsforschung ist dabei ein Werkzeug. Wer die Datenlage kennt, kann gezielt eingreifen. Förderprogramme für Landärzte, der Ausbau von Gesundheitszentren in strukturschwachen Regionen und digitale Angebote wie Telemedizin sind mögliche Ansätze.
Politischer Wille ist dabei ebenso gefragt wie finanzielle Mittel. Die Studie liefert Argumente für eine Debatte über den Zustand der Gesundheitsversorgung im Land.
Fazit
Rheinland-Pfalz muss seine medizinische Versorgung überprüfen, besonders im ländlichen Raum. Vermeidbare Todesfälle sind kein Schicksal. Sie sind ein Ergebnis von Strukturen, die sich verändern lassen. Der Vergleich mit Frankreich zeigt, dass es anders geht.