Schönfelderhof Zemmer: Ein Jahr Wohn-WG für Straftäter

Schönfelderhof Zemmer: Ein Jahr Wohn-WG für Straftäter

Wohn-WG auf dem Schönfelderhof Zemmer: Neun psychisch kranke Männer aus dem Maßregelvollzug lernen seit einem Jahr, wieder selbstständig zu leben.
Veröffentlicht am 8. Juli 2026
Schönfelderhof Zemmer: Ein Jahr Wohn-WG für Straftäter

Kochen, putzen, Sport treiben: Neun Männer üben auf dem Schönfelderhof in Zemmer den Alltag. Sie alle kommen aus dem Maßregelvollzug. Seit einem Jahr lebt die Wohngruppe auf dem Gelände der Barmherzigen Brüder im Kreis Trier-Saarburg. Jetzt zieht der Schönfelderhof ein erstes Fazit.

Vom Maßregelvollzug in die Wohngemeinschaft

Die neun Männer sind psychisch krank und haben in der Vergangenheit Straftaten begangen. Sie befanden sich im sogenannten Maßregelvollzug. Das bedeutet: Statt in einer regulären Haftanstalt werden sie in psychiatrischen Einrichtungen untergebracht und behandelt.

Der Schönfelderhof in Zemmer ist für sie ein Zwischenschritt. Hier lernen sie, wieder selbstständig zu leben. Sie kochen ihre eigenen Mahlzeiten, übernehmen Haushaltsaufgaben und treiben Sport. Ziel ist die schrittweise Rückkehr in die Gesellschaft.

Die Männer gelten als beurlaubt und stehen weiter unter Aufsicht. Fachleute begleiten sie dabei. Der stellvertretende Geschäftsführer des Landeskrankenhauses hatte bereits im Januar 2025 betont: Von den Bewohnern gehe keine Gefahr mehr aus.

Skepsis und Sorgen in der Bevölkerung

Als die Pläne Ende 2024 bekannt wurden, war die Aufregung groß. Im November 2024 informierte die Geschäftsführung des Schönfelderhofs zunächst den Gemeinderat Zemmer. Kurz darauf stellte das Direktorium das Vorhaben auch dem Stadtrat in Speicher vor. Dort herrschte großer Redebedarf.

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Im Januar 2025 fand eine öffentliche Veranstaltung in Zemmer statt. Bürger äußerten ihre Bedenken direkt gegenüber den Verantwortlichen. Viele fragten nach Sicherheit und Kontrolle. Knapp 90 Personen kamen im April 2025 zu einer weiteren Informationsveranstaltung im Ortsteil Orenhofen.

Auf den sozialen Medien diskutierten Hunderte den Fall. Die Sorge: Welche Männer ziehen hier ein, und was bedeutet das für die Nachbarschaft?

Das Konzept der Barmherzigen Brüder

Der Schönfelderhof ist ein Wohndorf der Barmherzigen Brüder mit Erfahrung in der Begleitung von Menschen mit psychischen Erkrankungen.

Das Direktorium betonte von Anfang an: Die Bewohner der neuen Wohngruppe seien erfolgreich therapiert und befänden sich auf dem letzten Abschnitt ihres Weges zurück in die Freiheit. Nur Männer, bei denen die Behandlung weit fortgeschritten sei, kämen für das Programm infrage.

Die Klinik Nette-Gut in Weißenthurm gehört zum Landeskrankenhaus und ist auf forensische Psychiatrie spezialisiert. Von dort stammen einige der Bewohner der Wohngruppe in Zemmer.

Ein Jahr später: Alltag statt Aufregung

Nach zwölf Monaten fällt das erste Fazit positiv aus. Die Wohngruppe hat sich in den Alltag auf dem Schönfelderhof eingefügt. Größere Vorfälle sind nicht bekannt geworden. Die anfänglichen Proteste sind verstummt.

Die Barmherzigen Brüder hatten den Informationsprozess früh begonnen und die Bürger aktiv einbezogen.

Für die neun Männer bedeutet das Wohnen in Zemmer konkret: Sie übernehmen Verantwortung für sich selbst, der Alltag gibt Struktur. Der Weg zurück in ein geregeltes Leben ist lang, aber er hat begonnen.

Vorsichtige Normalität in Zemmer

Die Wohngruppe am Schönfelderhof ist nach einem Jahr zu einem Teil des Ortslebens geworden. Die großen Befürchtungen haben sich nicht bewahrheitet. Das Modell des begleiteten Wohnens funktioniert hier, weil Fachleute die Betreuung übernehmen und die Bevölkerung von Anfang an eingebunden war.

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