Vom Jugendlichen zum Intensivtäter: RLP will früher eingreifen

Vom Jugendlichen zum Intensivtäter: RLP will früher eingreifen

Rheinland-Pfalz will kriminelle Karrieren von Intensivtätern früher unterbrechen und setzt auf gezielte Überwachung und konsequente Strafen.
Veröffentlicht am 20. September 2026
Vom Jugendlichen zum Intensivtäter: RLP will früher eingreifen

Hinweis: Das Beitragsbild wurde mit künstlicher Intelligenz erzeugt.

Mit 14 Jahren die erste Verurteilung, mit 32 Jahren die erste längere Gefängnisstrafe: Der Fall von Max, einem Insassen der JVA Rohrbach in Rheinland-Pfalz, steht für ein bekanntes Muster. Jahrelang blieb er auf freiem Fuß. Die Strafen schreckten ihn nicht ab. Das Land Rheinland-Pfalz will solche langen kriminellen Karrieren künftig früher unterbrechen.

Eine Karriere beginnt auf dem Schulhof

Als Polizisten Max mit 12 Jahren zum ersten Mal erwischten, weinte er noch. Doch die Reaktion seiner Umgebung veränderte ihn. Die anderen bewunderten ihn. Er fühlte sich wichtig. Ermahnungen und Strafen nahm er fortan nicht mehr ernst.

Es folgten Schlägereien auf Volksfesten, Drogenverkauf, Gewalt gegen Kunden, Raub. Eine lange Liste von Delikten baute sich über zwei Jahrzehnte auf. Erst mit 32 Jahren traf ihn eine Haftstrafe, die er wirklich spürte.

Sein Fall ist kein Einzelfall. Intensivstraftäter sind für einen überproportional großen Anteil aller Straftaten verantwortlich.

Rheinland-Pfalz setzt auf täterorientierte Strafverfolgung

Das Land hat die Landesrahmenkonzeption zur Strafverfolgung von Mehrfach- und Intensivtätern eingeführt, kurz LRK MIT. Der Ansatz ist täterorientiert und repressiv: Behörden beobachten bekannte Intensivtäter gezielt und greifen früher ein.

Wer als Intensivtäter eingestuft wird, bekommt klare Ansagen. Bei erneuten Straftaten folgt sofort Untersuchungshaft. Bewährungsstrafen entfallen. Stattdessen droht direkt eine Gefängnisstrafe. Das soll abschrecken, bevor die Laufbahn sich über Jahrzehnte zieht.

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Bewährungshelfer warnen früh und direkt

Bewährungshelfer wie der im Fall von Max tätige Benner-Bickelmann konfrontieren die Täter direkt mit den Konsequenzen. Kein Beschönigen, kein Abwarten. Wer straffällig wird, muss sofort mit Haft rechnen.

Benner-Bickelmann beschreibt die Rückmeldung aus der Praxis nüchtern. Viele Gefangene hätten ihm gesagt, ein früherer harter Einschnitt hätte ihnen fünf Jahre Haft erspart. Er hält es für sinnvoll, Intensivtäter frühzeitig von der Straße zu holen.

Nach der Haft: Das VISIER-Programm

Für Max endet die Haftstrafe in der JVA Rohrbach im November. Danach kommt er in das VISIER-Programm des Landes Rheinland-Pfalz, das eine strukturierte Begleitung nach der Entlassung vorsieht.

Das Programm soll verhindern, dass ehemalige Intensivtäter direkt in alte Muster zurückfallen. Soziale Stabilisierung, Kontrolle und Beratung sollen dabei ineinandergreifen.

Alternativen zur Kriminalität: Beispiele aus der Region

In Frankenthal unterstützt ein ehemaliger Straffälliger andere Menschen beim Neustart. Über Kampfsport schafft er Strukturen und Perspektiven. In Ludwigshafen und der Pfalz arbeiten Sozialträger daran, gefährdete Jugendliche früh zu erreichen. Prävention und Repression sollen sich dabei ergänzen.

Früher handeln

Der Fall von Max zeigt, wie lange kriminelle Karrieren dauern können, wenn niemand früh genug eingreift. Mit der LRK MIT und dem VISIER-Programm hat Rheinland-Pfalz Instrumente geschaffen, um diesen Kreislauf zu durchbrechen. Ob sie wirken, wird sich an den Biografien künftiger Jahrgänge zeigen.